Wer DATEV Mittelstand Faktura nutzt, hat ein konkretes Datum im Kalender: 31. Dezember 2026. Danach läuft das Programm zwar noch — aber DATEV liefert keine Updates mehr, kein Security-Patching, keinen Support. Wer die Software danach weiternutzt, tut das auf eigene Gefahr: fehlende E-Rechnungs-Compliance, keine GoBD-Aktualisierungen, wachsende Inkompatibilitäten.
Dieser Beitrag erklärt, was wirklich auf dich zukommt, was die offiziellen DATEV-Nachfolger taugen — und welche Alternativen für KMU und Freiberufler tatsächlich funktionieren.
Was DATEV Mittelstand Faktura ist und warum es eingestellt wird
DATEV Mittelstand Faktura ist eine Desktop-Anwendung für Auftragsbearbeitung, Fakturierung und Warenwirtschaft, die DATEV seit vielen Jahren als On-Premise-Lösung anbietet. Sie ist eng in die DATEV-Welt eingebunden und wurde vor allem von KMU genutzt, die eng mit ihrer Steuerkanzlei zusammenarbeiten.
Der Hintergrund der Einstellung ist nicht schwer zu verstehen: DATEV investiert konsequent in seine Cloud-Strategie. On-Premise-Software ist teuer zu warten, und die Anforderungen an E-Rechnungs-Compliance (EN 16931, XRechnung, ZUGFeRD) lassen sich in einer alten Desktop-Architektur schwieriger umsetzen. Das Programm wird schlicht nicht mehr weiterentwickelt.
Was zum 31. Dezember 2026 konkret passiert
DATEV hat bestätigt: Ab dem 1. Januar 2027 gibt es für Mittelstand Faktura keinen Support mehr, keine Bugfixes, keine Anpassungen an neue gesetzliche Anforderungen. Das betrifft insbesondere:
- E-Rechnungspflicht: Ab 2027 müssen Unternehmen mit über 800.000 € Jahresumsatz E-Rechnungen versenden. Ab 2028 gilt das für alle B2B-Unternehmen. Eine nicht mehr aktualisierte Software kann diese Anforderungen nicht erfüllen.
- GoBD-Konformität: Wenn sich die Anforderungen an Buchführung und Belegverwaltung ändern, wird Mittelstand Faktura nicht angepasst.
- Sicherheitslücken: Ungepatchte Software ist ein Risiko, das mit der Zeit wächst.
Wer die Software weiternutzt, riskiert also nicht nur Unbequemlichkeit — sondern echte Compliance-Probleme.
Die offizielle DATEV-Nachfolge: Auftragswesen next
DATEV empfiehlt als direkte Nachfolgelösung DATEV Auftragswesen next — eine Cloud-Anwendung, die über den Browser läuft. Klingt gut in der Theorie. In der Praxis gibt es zwei Probleme. Einen vollständigen Überblick über alle DATEV-Produkte und ihre Eignung für die E-Rechnungspflicht findest du in unserem DATEV & e-Rechnung Ratgeber.
Problem 1: Die Kosten. Auftragswesen next kostet €7/Monat — aber das ist nur der Anfang. Dazu kommen DATEV Unternehmen online (ca. €11,28/Monat) und Belege online (ca. €3,74/Monat). Die Grundausstattung liegt damit bei rund €22/Monat netto — ohne dass man nennenswerte Funktionen hinzugekauft hat.
Problem 2: Die Funktionslücken. Auftragswesen next ist ein Neuanfang, keine direkte Weiterentwicklung. Zum Einführungszeitpunkt fehlen gegenüber Mittelstand Faktura unter anderem:
- Abschlagsrechnungen und Schlussrechnungen
- Wiederkehrende Rechnungen / Serienrechnungen
- Lagerverwaltung
- Einkaufsfunktionalität
Für viele Unternehmen, die Mittelstand Faktura für genau diese Funktionen genutzt haben, ist Auftragswesen next schlicht kein vollwertiger Ersatz — zumindest nicht zum jetzigen Stand.
Die 3 besten Alternativen zu DATEV Mittelstand Faktura
Wenn DATEV Auftragswesen next nicht passt, gibt es drei cloud-basierte Alternativen, die für KMU und Freiberufler in Deutschland gut funktionieren und alle die E-Rechnungspflicht erfüllen.
1. Lexware Office — die bewährteste Marke mit DATEV-Anbindung
Für bisherige DATEV-Nutzer ist Lexware Office (früher Lexoffice) oft die naheliegendste Wahl — und das aus gutem Grund: Die Software bietet eine direkte DATEV-Schnittstelle über DATEVconnect online, sodass die Zusammenarbeit mit der Steuerkanzlei reibungslos funktioniert. Belege werden direkt übermittelt, ohne manuelle Exporte.
Lexware Office ist vollständig E-Rechnungs-ready: XRechnung (UBL und CII) und ZUGFeRD 2.x werden unterstützt. Der günstigste Einstiegspreis (€7,90/Monat für das S-Paket) macht es zur kostengünstigsten Option unter den drei Empfehlungen — auch wenn XRechnung erst ab dem M-Paket (€12,90/Monat) enthalten ist.
Was fehlt gegenüber DATEV Mittelstand Faktura: Lexware Office ist eine Buchhaltungs- und Rechnungslösung, keine vollständige ERP-/Warenwirtschaftslösung. Wer Lagerverwaltung oder komplexe Auftragsverwaltung braucht, stößt an Grenzen.
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2. sevdesk — Testsieger mit starker Automatisierung
sevdesk hat sich als stärkste Cloud-Buchhaltungslösung für kleine Unternehmen und Selbstständige etabliert — mit der besten Bewertung in mehreren unabhängigen Vergleichstests. Die Benutzeroberfläche ist modern und ohne buchhalterische Vorkenntnisse bedienbar.
Für den Wechsel von DATEV Mittelstand Faktura relevant: sevdesk bietet einen DATEV-Export, sodass bestehende Daten in der Steuerkanzlei weiterverarbeitet werden können. XRechnung und ZUGFeRD sind im Standardumfang enthalten.
sevdesk eignet sich besonders für Unternehmen, die ihre Buchhaltung stärker automatisieren wollen — automatische Belegerfassung, Bankabgleich und Mahnwesen sind stark ausgeprägt. Wer aus DATEV Mittelstand Faktura kommt und bisher viel manuell gearbeitet hat, kann hier deutlich Zeit sparen.
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3. FastBill — die einfachste Lösung für Freiberufler
Wenn du Mittelstand Faktura hauptsächlich für einfache Rechnungsstellung und Belegverwaltung genutzt hast, ist FastBill die unkomplizierteste Alternative. Die Software ist bewusst auf das Wesentliche reduziert — Rechnungen schreiben, Belege erfassen, Steuerberater den Zugriff geben.
FastBill ist besonders für Freiberufler, Kleinunternehmer und Selbstständige ohne buchhalterische Vorkenntnisse geeignet. XRechnung wird unterstützt. Wer komplexere Anforderungen hat, wird schnell an die Grenzen stoßen.
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Welche Alternative passt zu mir?
| Situation | Empfehlung |
|---|---|
| Enge Zusammenarbeit mit DATEV-Kanzlei, DATEV-Schnittstelle wichtig | Lexware Office |
| Starke Automatisierung gewünscht, modernes Interface, wachsendes Unternehmen | sevdesk |
| Freiberufler oder Kleinunternehmer, hauptsächlich Rechnungen stellen | FastBill |
| Lagerverwaltung, Warenwirtschaft, komplexe Auftragsverwaltung benötigt | Sage 100 oder myfactory Cloud ERP (außerhalb unserer Empfehlungen) |
Was du jetzt konkret tun solltest
Der 31. Dezember 2026 klingt noch weit weg. Aber Softwaremigration braucht Zeit — vor allem wenn Daten übertragen werden müssen und die Steuerkanzlei eingebunden ist.
- Jetzt testen: Alle drei Alternativen bieten kostenlose Testzeiträume an. Nutze die nächsten Wochen, um die Software mit eigenen Belegen zu testen — nicht erst im Oktober.
- Kanzlei einbinden: Sprich mit deiner Steuerkanzlei, welches Format für den DATEV-Datenaustausch bevorzugt wird. Lexware Office hat hier durch DATEVconnect online einen strukturellen Vorteil.
- Daten sichern: Exportiere alle relevanten Stammdaten (Kunden, Lieferanten, Artikel) aus DATEV Mittelstand Faktura, solange die Software noch läuft und supported ist.
- E-Rechnungspflicht prüfen: Nutze unseren kostenlosen XRechnung-Validator, um zu testen, ob deine aktuellen Rechnungen bereits EN 16931-konform sind.
Häufige Fragen
Läuft DATEV Mittelstand Faktura nach dem 31.12.2026 noch?
Technisch ja — die Software läuft weiter, solange Windows sie ausführt. Aber DATEV liefert nach dem 31.12.2026 keine Updates mehr: kein Security-Patching, keine GoBD-Anpassungen, keine E-Rechnungs-Kompatibilität. Das ist ein erhebliches Compliance-Risiko.
Kann ich Daten aus DATEV Mittelstand Faktura in sevdesk oder Lexware Office übertragen?
Kundenstammdaten lassen sich in der Regel als CSV exportieren und in die neue Software importieren. Die Beleghistorie ist aufwendiger — sprich dazu mit dem Support der jeweiligen Software oder mit deiner Steuerkanzlei.
Muss ich als Kleinunternehmer jetzt schon E-Rechnungen versenden?
Nein. Kleinunternehmer nach §19 UStG sind dauerhaft von der Versandpflicht befreit, müssen aber seit Januar 2025 in der Lage sein, E-Rechnungen zu empfangen. Mehr dazu in unserem Ratgeber zur E-Rechnungspflicht.
Was ist der Unterschied zwischen XRechnung und ZUGFeRD?
Beide Formate erfüllen den EN 16931-Standard. XRechnung ist reines XML — maschinenlesbar, aber nicht direkt für Menschen gedacht. ZUGFeRD kombiniert eine lesbare PDF mit einem eingebetteten XML. Für den Versand an Behörden und öffentliche Auftraggeber ist XRechnung Pflicht. Nutze unseren kostenlosen XRechnung-Generator, wenn du Rechnungen direkt erstellen willst.
→ Zum vollständigen Buchhaltungssoftware-Vergleich: sevdesk, Lexware Office & FastBill
→ DATEV & e-Rechnung: Alles, was Unternehmer wissen müssen